Grotto in Locarno – das ursprüngliche Tessin kennenlernen

Die bezaubernde Stadt Locarno am Nordufer des Lago Maggiore ist für sein mediterranes Klima, unzählige Sehenswürdigkeiten und seine reizvolle Natur bekannt. Mehr als 2300 Sonnenstunden im Jahr sorgen dafür, dass hier für Mitteleuropa, seltene Palmen und Zitronenbäume prächtig gedeihen. Im Herzen der Stadt ist die Piazza Grande ein beliebter Treffpunkt. Hier laufen viele romantische Gassen der Altstadt zusammen. Im Sommer ist die Piazza Grande Schauplatz zahlreicher Festivals wie dem Open Air Moon and Stars oder dem Locarno Festival. Unzählige Palazzi mit Arkadengängen, Säulen und pastellfarbenen Fassaden sorgen dafür, dass sich der Stadtkern seinen ursprünglichen Charme bewahrt hat. Begeistert zeigen sich Urlauber jedoch auch vom Gastronomieangebot in Locarno. Regionaltypisch sind malerische Grotti, wo man die ausgezeichnete Küche des Tessins kennenlernen kann.

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ticino.ch

Ursprüngliche Tessiner Kost in einem Grotto kennenlernen
Wer ein Restaurant in Locarno sucht und dabei typisch Tessiner Atmosphäre genießen möchte, ist in einem Grotto genau richtig. Dabei handelt es sich um ein rustikales Lokal, das auf eine lange Tradition zurückblickt. Ursprünglich wurden in Grotti in der Vergangenheit Wein und Lebensmittel gelagert. Die kleinen Keller wurden in massive Felsblöcke gehauen, wo es im Innenraum auch bei hohen Außentemperaturen angenehm kühl ist. Im Laufe der Jahre haben moderne Kühlmethoden die ursprünglichen Grotti abgelöst. Doch trotzdem sind Grotti bei Einheimischen und Gästen immer noch beliebt. Viele davon haben sich mittlerweile in romantische Lokale verwandelt und werden saisonal bewirtet. Besonders in der warmen Jahreszeit von März bis Oktober sind die Tessiner Grotti ein beliebter Treffpunkt. Viele von ihnen bieten auf gemütlichen Terrassen Gelegenheit, im Freien zu speisen. Meistens befinden sich Grotti fern von großen Wohnsiedlungen. Oft sind die Lokale in einem kühlen Wald versteckt oder liegen am Ufer von Wildbächen, die zusätzlich für Kühlung sorgen. Doch auch ganz in der Nähe von Locarno gibt es Grotti, die zum kulinarischen Hochgenuss einladen. Oft genießen Gäste ihre Mahlzeit unter jahrhundertealten Bäumen und auf Bänken aus Naturmaterialien.

Vielseitige Speiseauswahl im Grotto in Locarno
Egal wo im Tessin Gäste in einem Grotto einkehren, sie zeigen sich von der Speisenauswahl begeistert. Sämtliche Zutaten für die schmackhaften Mahlzeiten stammen aus der Region. Hier servieren freundliche Wirte alles, was die fruchtbaren Böden des Tessin hergeben. Hier einige Highlights, die auf vielen Speisekarten zu finden sind:

-Spuntino heißen im Tessin die herzhaften Zwischenmahlzeiten. Oft gibt es dabei den typisch Tessiner Frischkäse Formaggini. Fleischliebhaber bestellen einen piatto ticinese. Dabei handelt es sich um eine Art Brettljause mit rohem Schinken, Salami und Bündnerfleisch
-In manchen Grotti mit warmer Küche werden auch Tessiner Risottos serviert. Sie sind deswegen eine Besonderheit, weil sie mit Rotwein abgeschmeckt werden
-Typisch für die Tessiner Esskultur sind Polentagerichte. Nach Originalrezept werden sie in dem Schweizer Kanton eher als Kuchen serviert. Die lange gerührte Maisspeise wird nach Originalrezept stundenlang auf dem Feuer geköchelt. Oft landet sie nur mit etwas Käse auf dem Teller

Beim Besuch eines Grottos in Locarno darf natürlich die passende Weinbegleitung nicht fehlen. Immerhin wurden die rustikalen Lokale ursprünglich wie bereits erwähnt für die Weinlagerung errichtet. Besonders Merlot aus dem Tessin schmeckt ganz hervorragende.

Gourmetwanderung zu den besten Grotti rund um Locarno
In dem nur rund 40 Minuten Fahrzeit von Locarno entfernten Cama kommen Feinschmecker voll und ganz auf ihre Kosten. Dafür sorgen gleich 46 Grotti, die zum Teil auf einem rund 2 Stunden langen Rundwanderweg zu erreichen sind. Der malerische Ort Cama befindet sich in einem dichten Kastanienwald, viele Grotti liegen besonders malerisch unter alten Bäumen. Überlieferungen haben ergeben, dass in dieser Region schon zur Zeit der Römer Wein kultiviert wurde. Man vermutet, dass einige der Grotti bereits seit Jahrhunderten bestehen. Hier wurden jedoch nicht nur Wein gelagert, auch Obst und Gemüse, Wurstwaren und Käse schützten die kühlen Keller vor dem Verderben. Einige sind tief neben dem Flussbett eingegraben, andere haben sogar einen mehrstöckigen Aufbau. In den 1990er Jahren Schritt der Verfall der historischen Grotten bei Cama erschreckend schnell voran. Im Jahr 2004 erfolgte schließlich die Gründung einer Stiftung, die sich für den Erhalt des Kulturgutes einsetzte. Im Jahr 2009 waren die gröbsten Sanierungsmaßnahmen abgeschlossen und ein interessanter Lehrpfad wurde eröffnet. Er dokumentiert die Bedeutung der Grotti und des Weinbaus für die Region. Wenn man sich einem der Grotti nähert und die Hand in die Öffnung hält, bemerkt man gleich warum sie in der Vergangenheit so wichtig waren. Selbst bei Hitze bleiben die Temperaturen im Innenraum mit drei bis zwölf Grad konstant kühl. Während die meisten Grotti unweit von Locarno privat sind, stehen mehrere der Öffentlichkeit offen, z.B. imGrotto del Paulin, dem Grotto Milesi-Belloli und dem Grotto America genießen Gäste einheimische Gerichte. Würziger Rohschinken aus dem Misox, Kaninchen, Käse und Wildgerichte im Herbst sind nur einige der kulinarischen Köstlichkeiten. Bei dem Rundgang zu den Grotten bei Cama erfährt man Wissenswertes über alte Traditionen und wird darüber hinaus mit erstklassiger Küche und gutem Wein empfangen.