Zauberstab für Weinliebhaber

Zauberstab für Weinliebhaber: Wenn kulinarisches Interesse auf historisches trifft und dann noch kreativer Geschäftssinn ins Spiel kommt, kann das zu einer einfachen wie genialen Erfindung führen.
Michael Haacke aus Bad Wiessee besticht Weinkenner mit seinem „Bâton de Barrique“, einem Stab aus Eichenholz zur schnellen Veredelung von Wein.

Michael Haacke macht es einen Riesenspaß, seine Erfindung zu präsentieren. „Eingehend getestet“, verrät er mit einem Augenzwinkern, seien die ersten Prototypen des auf den ersten Blick etwas unscheinbar wirkenden Holzstabs – und zwar von Sterneköchen wie Karl Ederer, Michael Fell oder Dieter Maiwert sowie von weiteren versierten Weinkennern und -liebhabern. „Die waren erstaunt, weil der ,Bâton de Barrique’ Weine – egal ob weiß oder rot – nach ein paar Minuten schon geschmacklich runder, ausgewogener und edler macht”, erzählt der Wiesseer, der hauptberuflich im Filmgeschäft tätig ist.

Weinliebhaber
© Thomas Plettenberg

Wie das funktioniert? Dazu müsse man einen kurzen Blick in die Wein-Geschichte werfen: Es war Anfang des 19. Jahrhunderts, als der Franzose Louis-Gaspard Estournel entdeckte, dass das Aroma von Wein gewinnt, wenn er in Eichenfässern reift. Knapp 200 Jahre später, in den 1980er-Jahren, kam weltweit der Ausbau des Weins in Barrique-Eichenfässern in Mode. Dessen Bouquet begeisterte auch Michael Haacke. Und weil er sich in seiner Freizeit gern mit geschichtlichen Feinschmecker-Studien beschäftigt, stieß er in einer Klosterbibliothek in der Nähe von Bozen auf die Geschichte eines Grafen der „Liga von Cognac“ (1526–1530), die ihn faszinierte und inspirierte: Besagter Graf verlor, weil ihm der Sold für seine Landsknechte vorenthalten wurde, sein gesamtes Vermögen. Nicht einmal die Eichenfässer für seine Weinlagerung konnte er sich mehr leisten. Der ideenreiche Graf gab jedoch nicht auf und fertigte aus seinen alten Weinfässern grobe Späne, die er in seine Weingallonen gab – und tatsächlich verbesserte sich die die Qualität des Weins von Tag zu Tag.

Weinliebhaber
© Michael Haacke

Nachdem Michael Haacke auch noch auf alten Kupferstichen in Weinhumpen steckende Stöckchen aus Eichenholz entdeckte, war die Idee zu „Bâton de Barrique“ geboren ­ beziehungsweise wiederbelebt. Er entwickelte seinen Holzstab, den er von Hand aus getoasteter französischer Limousin-Eiche schneiden und formen lässt. Damit der „Zauberstab“ auch was hermacht, wird jeder Bâton mit einem Clip versehen, etwa aus Silber, den der Besitzer individuell gestalten und mit Initialen versehen lassen kann. Dadurch wird nicht nur eine saubere Handhabung ermöglicht, der „Bâton de Barrique“ bekommt so auch seine sichtbare Individualität. Dazu gibt es eine Lederhülle, damit er sauber gelagert und auch transportiert werden kann, wenn es in eine Kneipe, ein Gasthaus, zu einer Party oder zu einem Picknick geht, wo man sich vielleicht für einen nicht ganz so hochwertigen Wein entscheidet.

In der Weinbranche ist man schon auf ihn aufmerksam geworden: Mit dem „Bâton de Barrique“, für den Haacke einen Geschmacksmusterschutz beantragt hat, war er bereits zweimal zur Verleihung des Deutschen Rotweinpreises der Fachzeitschrift „Vinum“ eingeladen. „Es ist ein Zauberstab zur schnellen Weinveredelung im Glas“, sagt sein Erfinder.

Text: Alexandra Korimorth
Quelle: “Seeseiten Frühjahr 2016”